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Texprocess: Digitalisierung, Vernetzung und Nachhaltigkeit kommen zusammen
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Individueller, schneller, flexibler, nachhaltiger: Die Verarbeitung von Mode, Bekleidung sowie Textilien für die Polstermöbel und Automobilindustrie ändert sich rasant. Auf der Texprocess in Frankfurt am Main zeigte sich die Branche in voller Dynamik.

Vom 14. bis 17. Mai 2019 präsentierten 317 Aussteller aus 34 Ländern (2017: 312 aus 35 Ländern[1]) 26.400 Besuchern aus 96 Nationen inklusive Wechselbesucher von der Techtextil (2017: 25.100 aus 109 Ländern) die neuesten Entwicklungen in der Verarbeitung textiler und flexibler Materialien. Mit einem Ausstellerwachstum von 1,6 Prozent und fünf Prozent bei den Besuchern erlebte die Texprocess ihre bisher größte Ausgabe.

„Die Aussteller der Texprocess repräsentierten erneut alle Schritte in der textilen Produktionskette vom IT-gestützten Design, über Zuschnitt- und Fügetechnologien bis hin zur Veredelung, Textillogistik und zum Recycling“, so Detlef Braun, Geschäftsführer der Messe Frankfurt. „An der Texprocess kommen weder die Bekleidungs- und Lederwarenindustrie noch die Möbelfertigung und die Automobilbranche vorbei.“

Besucherzuwachs vor allem aus Europa
Mit 212 Ausstellern aus dem Ausland und 105 Ausstellern aus Deutschland betrug der Internationalitätsgrad der Texprocess 67 Prozent. Neu dabei waren Finnland, Dänemark, die Ukraine, die Dominikanische Republik und Singapur. Die führenden fünf Ausstellerländer nach Deutschland waren Italien, China, Taiwan, Japan und die Türkei. China, Japan und Taiwan waren zudem mit Länderpavillons vertreten.
Der Besucherzuwachs der Texprocess kam vor allem aus Europa. Nach Deutschland rangierten Italien, die Türkei, Frankreich, Portugal, Rumänien und Polen unter den am stärksten vertretenen Besucherländern. Das Besucheraufkommen stieg vor allem aus Japan, den Niederlanden, der Schweiz und Frankreich.

Digitalisierung führt von der Industrie 4.0 zu Impact 4.0

Unter dem Schlagwort „Impact 4.0“ war die Weiterführung von Industrie 4.0 und die damit ausgelösten Veränderungen als Teil der Wertschöpfungskette das beherrschende Thema der Texprocess. Ein Großteil der Technologieanbieter der Branche arbeitet bereits seit einigen Jahren erfolgreich an der Digitalisierung der gesamten Wertschöpfungskette, angefangen von 3D-Bodyscannern und 3D- Simulationssoftware in der Kollektionserstellung über Roboterisierung und Predictive Maintenance im Cutting bis hin zur Vernetzung aller Nähmaschinen einer kompletten Produktion über Ländergrenzen hinweg.

„Die Digitalisierung und Vernetzung haben in der Branche die nächste Stufe erreicht. Durch die Einbeziehung künstlicher Intelligenz werden viele Prozesse besser beherrschbar und sogar neue Geschäftsmodelle möglich“, sagt Elgar Straub, Geschäftsführer des VDMA Textile Care, Fabric and Leather Technologies, dem konzeptionellen Partner der Texprocess.

Das bestätigt auch Ketty Pillet, Vice President Marketing bei Texprocess-Aussteller Gerber Technology: „Unsere Kunden waren begeistert, auf der Texprocess unsere revolutionäre digitale End-to-End-Lösung zu erleben. Die ermöglicht es ihnen, auf kleinere Stückzahlen, Maßanfertigung und Customization umzustellen. Unser vollintegrierter Prozess, der 3D und cloudbasiertes PLM integriert, bringt Produkte vom Design in die Produktion, ermöglicht gleichzeitig Digitaldruck und macht unsere Kunden schnell und flexibel bei gleichzeitiger Reduktion von Kosten und Lagerhaltung.“

Allein drei der insgesamt vier Preisträger des Texprocess Innovation Award 2019 erhielten die Auszeichnung zudem für neue digitale Lösungen: Die Dürkopp Adler AG überzeugte die Jury mit der neuen Nählösung M-Type-Delta, die selbst lernt und in eine voll digitalisierte Nähproduktion für die Automobil-, Polstermöbel- und Lederindustrie integriert werden kann. Die Assyst GmbH erhielt den Award für ihren neuen 3D-Innovationsprozess, der die textile Wertschöpfungskette verändert. Lectra wurden für ihre Fashion-on-Demand-Technologie ausgezeichnet, die erste End-to-End-Lösung für die Personalisierung von Mode. Diskutiert wurde auf der Texprocess zudem der zunehmende Einsatz von künstlicher Intelligenz zum Beispiel im Bereich Machine Learning mit Hilfe cloudbasierter Lösungen. Nachhaltigkeit und der textile Digitaldruck waren zudem wichtige Themen der Texprocess.
Der vierte Texprocess Innovation Award ging an die Vetron Typical Europe GmbH für ihre ultraleichte Nählösung mit Karbonbauteilen.

Digitalisierung und Vernetzung machen Verarbeitung effizienter
Digitalisierung und damit die Vernetzung von Verarbeitungstechnologien spiegelte sich zudem in den insgesamt fünf Microfactories auf der Texprocess wieder, die Fachbesuchern einen Eindruck vermittelten, wie integrierte Textilverarbeitung funktioniert und wo deren Mehrwert für Verarbeiter und Kunden liegt.

„Microfactories spielen vor allem in Hinblick auf Nachhaltigkeit eine große Rolle. Weil hier nur das produziert wird, was der Kunde tatsächlich kauft, sparen Microfactories Abfall und Ressourcen“, sagt Professor Meike Tilebein von den Deutschen Instituten für Textil- und Faserforschung Denkendorf (DITF). „Nur die Teile werden bedruckt, die für das Produkt benötigt werden, Prototypen werden statt physisch, digital überall hin in die Welt geschickt“.

In Zusammenarbeit mit DITF sowie Partnern aus der Industrie präsentierten zeigten die Techtextil und die Texprocess mit der Digital Textile Micro Factory die umfangreichste und insgesamt drei voll vernetzte Produktionslinien. Linie eins zeigte die Herstellung individuell designter Poloshirts. Auf Linie zwei wurden Schuhoberstoffe mittels 3D-Strick hergestellt. Linie drei zeigte, wie textile und flexible Materialien wie etwa Kunstleder verarbeitet werden. Hinzu kamen vier weitere Microfactories von Zusammenschlüssen verschiedener Aussteller der Texprocess und Techtextil, darunter eine Microfactory zur serienmäßigen Herstellung von Smart Textiles unter der Federführung des Instituts für Textiltechnik (ITA) der RWTH Aachen, eine Komplettlösung für Fashion-on-demand unter der Leitung von Gertsch Consulting und Mode Vision, eine in der Praxis bereits voll anwendbare Teillösung initiiert von Gemini sowie eine Microfactory für die Lederperforation, umgesetzt von Ring Maschinenbau und Partnern.

Digitalisierung sorgt für für Nachhaltigkeit und Transparenz
Ist Nachhaltigkeit der Schlüssel zu textilen Innovationen? Die Schlüsselfrage der Konferenz Fashionsustain im Rahmen des Texprocess-Forums spielte auf der Texprocess eine zentrale Rolle.
Laut Micke Magnusson, Co-Gründer des schwedischen Start-Ups
We are Spindye, der die Keynote hielt, sind nachhaltige Textilinnovationen sogar eine Frage des Überlebens für die Branche. Auf der Fashionsustain diskutierten unter anderem Branchengrößen wie Clariant Plastics and Coatings, Indorama, Lenzing, Perpetual Global, Procalçado S.A. sowie Kering und Zalando rund um Nachhaltigkeit in der Textil- und Modebranche. Moderiert wurde die Fashionsustain unter anderem von Karla Magruder, Gründerin von Fabrikology International.
Anschließend daran präsentierten der Faserhersteller Lenzing, der Strickmaschinenproduzent Santoni und Schuhkomponenten-Hersteller Procalçado S.A. die Innovation Roadshow mit dem Titel „The Future of Eco-Conscious Footwear Manufacturing“, die exemplarisch den nachhaltigen Produktionsprozess eines Schuhs darstellte. Die Roadshow wurde unterstützt vom Texpertise Network der Messe Frankfurt und moderiert von Marte Hentschel, Gründerin des B2B-Netzwerks für die Modebranche Sourcebook.

Der schonende Umgang mit Ressourcen und eine hohe Transparenz in der gesamten Lieferkette spielen in der Mode- und Bekleidungsindustrie eine zunehmende Rolle. Bei der Umsetzung nachhaltiger Prozesse helfen Software-Lösungen und smarte Systeme. Sie schöpfen das Optimierungspotenzial über sämtliche Fertigungsstufen aus, binden die Lieferkette ein, machen bereits bei der Kollektionsentwicklung Bedarfsvorhersagen und erkennen notwendige Schnittanpassungen.

Aussteller Assyst präsentierte etwa eine Software-Lösung, die die gesamte Produktentwicklung optimiert, Avalution 3D Bodyscanner-Systeme. Eine nachhaltige Kleidungsproduktion schließt zudem die Einhaltung von internationalen Arbeitsnormen, gesetzlichen Vorschriften und vereinbarten Qualitätsmerkmalen ein. Eine Kontrolle ist beispielsweise mit einer von Setlog gezeigten Software möglich. Das cloudbasierte System bildet die gesamte Lieferbeziehung von der Bestellung bis zur Lieferung ab. Noch mehr Transparenz soll ein Shipment-Tracker bringen.

Texprocess Forum – ein voller Erfolg
Ein voller Erfolg war erneut das Texprocess Forum, dessen Programm von verschiedenen Partnern zusammengestellt wurde. Auf den Ableger der Neonyt-Konferenz Fashionsustain folgte das Thema „Impact 4.0 Wie geht es mit der Industrie 4.0 weiter“, organisiert vom Verband VDMA Textile Care, Fabric and Leather Technologies. Das Programm am Mittwoch und Donnerstag wurde erneut von DTB Dialog.Trust.Business gestaltet. Den Abschluss bildete am Freitag ein vom World Textile Information Network WTiN gestalteter Themenblock einschließlich Podiumsdiskussion.

Techtextil und Texprocess: Eine ideale Verbindung
Parallel zur Texprocess zog mit der Techtextil die internationale Leitmesse für technische Textilien und Vliesstoffe 1.501 Aussteller aus 57 Ländern sowie 42.500 Besuchern aus 105 Ländern inklusive Wechselbesucher von der Texprocess

Beide Messen begrüßten 1.818 Aussteller aus 59 Ländern (2017: 1.789 aus 66 Ländern) und 47.000 Besucher aus 116 Ländern (2017: rund 47.500 Fachbesucher aus 116 Ländern).

Techtextil und Texprocess: Neuer Termin
Die nächste Techtextil und Texprocess finden vom 4. bis 7. Mai 2021 in Frankfurt am Main statt.

Fotos: Messe Frankfurt GmbH
Creora
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